© DAV Zwickau/Torsten Flammiger
© DAV Zwickau/Torsten Flammiger

1.000.000 Schritte - 21 Etappen

Zu Fuß vom Fichtelberg zum Kap Arkona

03.10.2015

1.000.000 Schritte, verteilt auf 21 Etappen und 4 Jahre.

Es begann mit einer kühnen Idee: wir wollten vom Fichtelberg nach Hause laufen. Keiner von uns ist jemals so weit gegangen, deshalb gingen wir es mit Respekt, aber auch blauäugig an.

Wir startetet am 3. Oktober 2015 pünktlich um Mitternacht und liefen über Pöhla, Raschau, Aue, Bad Schlema, die Burg Stein, Grünau, Silberstraße und Wilkau-Haßlau nach Zwickau-Marienthal. Am Ende waren das 69,6 km für ungeübte Füße, Knie und Schenkel.

In Erinnerung geblieben ist viel, vor allem angenehmes Wanderwetter, viele schöne und ein paar „interessante“ Winkel sowie Schmerzen – aber auch die Begrüßung durch eine Bekannte mit den Worten „Jungs, ihr seht scheiße aus!“. So ähnlich haben wir uns auch gefühlt: kaputt, aber glücklich. 

Vor allem der Stolz über das Erreichte führte uns zu einem weiteren kühnen Projekt: wir laufen weiter. Nicht gleich, nicht so weit auf einmal, aber in Etappen und mehrtägig

Und so haben wir es auch gemacht. Vier Fixpunkte sollten es sein, zwei waren schon erreicht: Fichtelberg, Zuhause, das Brandenburger Tor in Berlin und der Leuchtturm am Kap Arkona.

Der Weg führte uns über weitere 20 Etappen und insgesamt 746 Kilometer bis zum Kap, Etappenziele waren Penig, Sermuth, Eilenburg, Gniest, Wittenberg, Treuenbrietzen, Saarmund (Nuthetal), Berlin, Feldheim, Zehdenick, Fürstenberg, Neustrelitz, Neuendorf (Neubrandenburg), Gültz, Demmin, Grimmen, Rambin auf Rügen, Prora, Breege und schließlich das Kap Arkona. 

So manches war kurios, zum Beispiel das Ost-Ambiente in der Lochmühle Penig, die Weihnachtsbettwäsche nach Ostern in Gültz oder das Hinweisschild auf munitionsbelastete Flächen, das wir beim Verlassen des Waldstücks erst lesen konnten. Wir waren erstaunt, wie reizvoll die Muldenaue ist, haben auf Strohballen Rast gemacht und unsere Schuhe notgedrungen in einem Backofen getrocknet (das funktioniert übigens nur so mäßig). 

So mancher Hund hat uns durch oder über den Zaun begrüßt und allein die verschiedenen Vorgärten wären ein Buch wert. Wir haben oft lange keinen Menschen gesehen und wurden überall freundlich empfangen. Und nur einmal war das Bier sauer. 😊

Wir haben uns die Strecke selbst ausgesucht und schließlich ist es nicht der kürzeste Weg geworden, auch nicht überall der landschaftlich reizvollste. Es waren auch Abschnitte dabei, die wir nicht guten Gewissens weiterempfehlen wollen, etwa weil an einer Bundesstraße kilometerweit kein Fuß- oder Radweg vorhanden ist (nicht einmal ein Randstreifen) oder weil der in den Karten verzeichnete Waldweg nicht mehr passierbar ist.

Im übergroßen Teil empfinden wir dennoch die Retrospektive wie einen Werbefilm für unsere Heimat. Man kann es nüchtern als 180 Wanderstunden Heimatkunde betrachten, es bleiben hunderte Erinnerungen an dörfliche Idylle, (N)ostalgie, großartige oder auch belastende Geschichten, verregnete wie auch sonnige Tage, wunderbare Sonnenauf- und -untergänge, Seen, Flüsse, Bäche, Wiesen, Felder, Wälder, …

Wer näheres wissen möchte, kann sich gern an uns wenden:

Viele Grüße

Michael, Thorsten, Frank und Torsten