© DAV-Zwickau/Nick

Mobil. Clean. Safe!

Klappernde Zähne und der Gurt voller Aluminium - Ein Tag mit Heiko Queitsch

24.10.2026

„Samstag ist das Wetter perfekt, über Sonntag müssen wir dann noch mal reden“ - die prägenden Worte im Vorfeld unseres Tradclimbing-Kurses beim „Heigoo“.

Ein Tag der wenig Versprochen aber viel gehalten hat.

Wir, ein Teil der Vorsteiger bei den Gemeinschaftstouren der Sektion Zwickau, wollten unser Wissen auffrischen und schauen was es alles Neues zu lernen gibt. 
Bestes Wetter versüßte uns schon die Anfahrt:

Regen ab Bayreuth, 5 Grad und Wind mit 30-40 Km/h im Mittel.

Am Parkplatz angekommen stiegen wir aus, und direkt wieder ein. 
"Grausig!" 

 

Kurz darauf kommt Heiko an, begrüßt alle mit breitem Grinsen und Handschlag, klärt in smarten Fränkisch mit den nebenan beschäftigten Bauern und ihrem schweren Gerät, dass wir die Autos stehen lassen können und schon geht’s los. 
Große, schwere Kisten aus seinem Bus werden Richtung Fels zu einem Überhang gebracht. Hier, geschützt vor Regen und auch halbwegs vor den Windböen, lässt es sich aushalten. Als alle Teilnehmer eingetroffen sind, stellen wir uns kurz vor. 
Aus der Sektion Zwickau sind Rebekka, Rudi, Stefan, Toni, Nick und Christian angereist und wie sich aus den kurzen Abrissen unserer Kletterleben heraus hören lässt, kommen wir zusammen auf gut 65 Jahre Vorstiegserfahrung. 

Trotzdem sind wir gespannt, was der Kurs Neues für uns zu bieten hat. 
Zum Schluss stellt sich Heiko vor, Kletterlehrer, Betreiber der Kletterschule „Frischluft“, begeistert in allen vertikalen Disziplinen und Erstbegeher von 600 Routen und 3500 Bouldern. 
Eine Vorliebe hat er für Clean-Begehungen in höheren Graden. „Des is so a 9er, des is jetzt nicht soo schwer, die geht clean.“ - Das ist für mich ein Satz der hängen bleibt. Anschließend folgt eine gute Stunde Theorie und Basiswissen, von den Anfängen zu den modernen Geräten. 

Danach ist uns allen kalt, es wird nicht wärmer und regnet noch immer, aber der „Heiko mit den heißen Händen“ ist bester Laune und hat genau das richtige Gegenmittel für uns. Also ab an die Wand, Topropeseile rein und Aufgaben verteilen. Ab hier wird es spannend, wir sollen „Techno-Klettern“. Ausgerüstet mit zum Teil riesigen Friends, Keilen und Tricams werden wir auf vier Risse verteilt und sollen uns nur an den Geräten mit Schlingen nach oben Arbeiten. 
Also Augen zu, Kopf runter (WICHTIG!) und los. 
Die Geräusche von sich verklemmenden Alu, knacken, knarzen oder das metallische Scheppern, wenn wieder was nicht gehalten hat, sind neue Erfahrungen und äußerst spannend. Die Zeit vergeht rasend. „Heigoo“ taucht immer wieder unvermittelt hinter einem auf, gibt Tipps und Hinweise, selbst wenn man sich schon weit über dem Boden glaubt. Ich will nicht zu viel verraten aber diese Erfahrung allein war den Kurs schon wert.

 

Danach wechselt das Wetter, zwar bleibt der Wind jedoch bekommen wir die Sonne zu sehen und haben die Chance an der relativ trockenen Südseite des Felsens das Erlernte an der Wand anzuwenden, also möglichst viele haltbare Sicherungen zu legen. 
In einer 6 mit vielen Löchern, die ich im Sommer bei schönem Wetter schon einmal begangen habe, besteht die erste Aufgabe für mich und Nick. Mit guten Erinnerungen und behangen wie ein amerikanischer Weihnachtsbaum steige ich ein und stelle schnell fest, das kalter Fels und das lange Suchen nach geeigneten Stellen am leicht überhängenden Wandfuss die Arme schnell zulaufen lässt. Zu wenig Routine beim Legen und die große, im normalen Einsatz unnötige Menge an Sicherungen nimmt so viel Zeit in Anspruch, dass ich, oben angekommen, kaum mehr Gefühl in Zehen und Fingern habe. Nun noch beim Ablassen testen ob zumindest das Eigengewicht von jedem Placement getragen wird und schon ist der nächste dran.

 

Auch bei diesen Übungen vergeht uns die Zeit wie im Flug, so dass nach weiteren 3 Routen bereits die Dämmerung einsetzt.
Wir packen zusammen, mit der Feststellung, dass wir um viele Erfahrungen reicher sind und der größte Teil unserer Sicherungen wohl gar nicht so schlecht war. 
Im letzten Licht machen wir das Abschlussgespräch mit Heiko, alle haben viel mitgenommen, auch Heiko ist zufrieden. Nur der nächste Tag, gemeldet sind 30 Liter Niederschlag, macht für uns wenig Sinn und so entscheiden wir einstimmig, dass wir im Frühjahr bei hoffentlich besserem Wetter wiederkommen und den Kurs fortsetzen.

Ich persönlich freue mich schon riesig darauf, das wird der BOMBER!

Fortsetzung folgt…

Viele Grüße 
Toni