© DAV Zwickau/Doreen Strzempek

NEPAL - Drei Pässe Trek mit 3 Anschlusstagen für Kultur in Kathmandu

Ein Reisebericht über Höhen, Freuden und harten Erkenntnissen im Himalaya

30.10.2024

Wenn man eine Reise plant, geht es um Urlaubsziele, das Fortbewegungsmittel, um zu erwartende Ruhe und Einsamkeit, um Neues, um andere Sitten und Bräuche, um Kultur…

Für diese Reise wollten wir die Rücksäcke überschnallen und uns von Hütte zu Hütte bewegen. 

Und wo genau soll die Reise hingehen?

Wir wollten Berge, Ruhe, fremdes Entdecken. Vielleicht wieder richtig weit reisen, richtig weit hoch wandern und richtig weit an die eigenen Grenzen gehen. 

Mit ENJOY Nepal fand ich ein Reiseunternehmen welche individuelle Reiseplanung zulässt. Es können Buchungen ab einer Person vorgenommen werden und somit Entfernung, Tempo und benötigte Pausen angepasst werden. Ein Guide, sowie ein Porter begleiten die Tour. 

Von der Buchung im Februar bis zur Abreise am 30. Oktober blieb viel Zeit für Vorfreude, Bedenken, Recherchen und Training. Hürde für die sehr lange Route war das Gepäcklimit. 13 kg pro Person durften nicht überschritten werden und dies ließ uns die Klamotten extrem minimieren. Auf der Mitnahmeliste standen allerdings Bergschuhe der Kat. B/C, Steigeisen, leichte Wanderschuhe, Schlafsack, Trekkingstöcke, … So wurde die eigene Ausstattung minimiert auf eine Laufgarnitur und einer Garnitur in den Lodges, eine zusätzliche Tourenhose, 2 Überziehjacken, 1 Überziehjacke wind und wasserdicht, Primaloft Weste, dicke u. dünne Handschuhe, Mütze/ Buff, 3 Paar Ski Socken mit Wollanteil, minimalste Ausstattung für Körperhygiene und Reiseapotheke, sowie ein Solarpaneel. 

Überaus wichtig sind die Trinkflaschen!!! Eine sollte eine Thermosflasche sein und die zweite eine Alu- oder Plastikflasche. Diese zweite Flasche kann sehr nützliche Dienste sein als Wärmflasche für den Schlafsack (oder 😉 im Hosenbund bei morgendlichen Minusgraden). Ein drittes Paar super leichte Turmschuhe war unser Luxusobjekt auf der Reise. 15 kg wog schlussendlich die Tasche und nach Entnahme des jeweiligen Equipments hatte der Porter max. 13 kg zu tragen. 

 

Auf geht’s.

Von München nach Doha und weiter nach Kathmandu.

Nach unserer Ankunft in Kathmandu sollte es gleich nach Ramacheap weitergehen, um den Flieger nach Lukla nehmen zu können. Klingt schnell und einfach, aber die Straßen waren vom Hochwasser vor 4 Wochen weggespült und auch so ist es eine abenteuerliche, gefährliche, lange Strecke, welche es zu bewältigen galt. Es schaukelte uns also durch die Nacht bis zu einem Nachtstop. Ramacheap erreichten wir erst am nächsten Tag. Wir konnten auch da nicht zügig weiterreisen, denn das Wetter erlaubte keinen Start und Anflug an den auf der „black list“ stehenden Mini-Flughafen. Warten, Hoffen & Bangen und es verging die Zeit, während die Ungeduld stieg. Endlich, Start.

Aidan Ri ist unser junger freundlicher Guide und mit ihm werden wir die nächsten Tage verbringen. 

Unser Träger hieß Lalchan Ri. Er schleppte quasi unsere beiden Taschen mit je 13 kg und seine Wechseljacke + Zahnbürste. 

Trotz des immensen Gewichtes auf seinem Rücken zeichnete sich stets ein Lächeln auf seinem Gesicht ab. Respekt!!!

Lustig, flott und voller Erwartung auf die Giganten ging es über die Hillary Bridge, über Stock und Stein, an pausierenden Touristen vorbei. Wir hatten einen Tag verloren und diesen holten wir schwungvoll auf. 

 

In Phakding wurde unter unserem Fenster lautstark ein traditionelles Fest gefeiert. Derweil lagen wir entspannt mit Mütze am geöffneten Fenster im Bett und lauschten, obwohl wir hätten lieber schlafen sollen.

In Namche Bazar erreichten wir 3800m und das erste Mal zog es mir den Stecker. Wow. Ganz schön anstrengend und das soll die nächsten Tage so weitergehen? Nu Prima.

Nach einer kleinen Mittagspause folgte die nächste Tour. Zur Akklimatisation stiegen wir auf den Khunde Peak auf 4100m. Mit Einbruch der Dämmerung kehrten wir zurück, setzten uns ausgehungert an den Tisch und fielen anschließend erschöpft gegen 20:00 Uhr ins Bett.

Die Auswahl der Speisen und Getränke ist für die Gegend extrem umfangreich. Der Magen kann sich mit einheimischer Kost wie Dal Bhat (ein landestypisches Reisgericht mit meist 5 diversen Gemüse und Fleischdips serviert), Pizzen, Nudel- oder Reisgerichten an die Gegebenheiten gewöhnen. Allerdings habe ich für mich das morgendliche Porridge nach 3 Tage abgewählt und nach etwas rumprobieren, durch heiße Nudelsuppen ersetzt. 

 

Heißer Ingwer- Zitronentee stand in Mengen zur Verfügung und diente zusätzlich in Plastikflasche gefüllt als Wärmflasche. 3 Liter sollte man täglich trinken und reichlich wieder entsorgen.

Was ist das für eine Herausforderung, in der Nacht, in eisiger Kälte aus dem Schlafsack zu kriechen und über die Gänge zu ziehen...

 

Pangboche war nun das dritte Ziel. Es hat geschneit und langsam schritten wir wieder über Hügel und Wege entlang zum Ama Dablam Base Camp. Hier treffen sich also die Top Bergsteiger für z.B. Speed Rekorde. So auch Laura Dahlmeier, sie erreicht ca. 14 Tage vor unserer Ankunft Bestzeit und stellte somit einen neuen Frauenspeedrekord auf. Es befanden sich im Base Camp noch die Expeditionszelte ansässiger Ausrüster.

Allerdings gab es auch zwei Gipfel weiter die Kehrseite zu betrachten. Mühevoll lernten künftige Bergaspiranten mit Steigklemmen umzugehen. 

 

Für uns gings zurück zur Unterkunft und am nächsten Morgen nach Dingboche.

Es folgte der Weitermarsch zur nächsten Unterkunft, nach einer kurzen Pause liefen wir am Nachmittag die nächste Akklimatisationstour. Diese sollte die 5000m Marke knacken und uns mächtig fordern. Unsagbar heftig stürmte es. So manche Windböe rüttelte gewaltig an mir. Bistari & in kleinen Kaffeebohnenschritten erreichen wir Nangkartshang View. Die Aussicht ist gigantisch und die Freude setzt noch zusätzliche Kraft frei. 😉

…Lohtse & Ama Dablam sind zu sehen. Ich bin beeindruckt. 

 

Ab jetzt sollte wir uns für die nächsten Tage immer auf der 5000 Höhenmeter Marke bewegen. 

"Bistari, Bistari" bedeutet "langsam, langsam".

Chhukhung erreichten wir am Vormittag und nach ca. 2 h Sonne tanken & Socken waschen liefen wir am Island Peak Trek Richtung Base Camp. 

Habe ich schon erwähnt, dass wir stets sehr wenig Touristen sehen? Durch die Wetterbedingungen und den damit verbunden Einschränkungen des Flugverkehrs nach Lukla treffen wir kaum auf andere Personen. Des Weiteren sind einige unserer Streckenabschnitte nicht am so üblichen Everest Trek gelegen. 

In den von uns aufgesuchten Lodges befinden sich stets mit uns ca. 10-15 Trekker. Die Guides sitzen ebenfalls im Gastraum, beobachten deinen Appetit, essen selbst aber meist in ihrer Gesellschaft in den Küchen. 

Die Porter müssen, bis auf in kleinen Ausnahmen, in anderen Unterkünften essen und schlafen. Hier herrscht eine gewisse Hierarchie, welche uns unangenehm ist, aber eingehalten wird.

 

Der Chhukhung Ri wird die nächste Tour. Von hier kann man die 8000er Makalu sowie den Cho Ohy sehen. Noch immer laufen wir Akklimatisationstouren, um in den Nächten ohne Probleme, wie z.B. Kopfschmerzen, schlafen zu können. Ich bin jeden Tag überwältig ca. 10 Stunden in der Falle zu liegen. 

Trotz minimal bekleidet zu sein, ist es im Schlafsack warm. Wir sind eingemummelt mit Mütze, Buff und weiterhin ist Allerlei Hab und Gut mit drin. Die Powerbank und das Handy müssen mit rein, da sonst durch die Kälte die Akkus den Geist aufgeben, die Unterziehklamotten samt Socken für den nächsten Tag und natürlich die Wärmflasche. Und neben dem Schlafsack liegt griffbereit die dickste Jacke für den nächtlichen Toilettengang.

Frühstück findet je nach Etappe gegen 7:00 Uhr statt. 

Heute steht die erste Passüberquerung an. Der Kongma La Pass, mit einer Passhöhe von 5530m, führt uns zum Teil steil und eisig über den Gletscher nach Lobuche. Mit einer Strecke von ungefähr 10 km Länge und knappen +900m rauf und -600m runter gehen, kommen wir kräftig ins Schnaufen. Stets langsam, aber ohne längere Pausen, erreichen wir die Passhöhe und über Anfangs Glatteis, dann schmalen und sehr steilen Rinnen geht’s über Geröll bergab ins Khumbu Tal. Trotz aller Anstrengungen wird gepost im Sonnenlicht und geflaxt mit unserem Guide Aidan. Unermüdlich gehts dann bis zu nach Gorak Shep.

 

Unser Porter nimmt den längeren, aber sanfteren Weg über Dingboche zur Unterkunft in Gorak Shep. 

Wieder bekommen wir das Grinsen nicht aus dem Gesicht. Auch langsam, aber stetig in Bewegung, kann man sich durch den Himalya bewegen. Verrückt.

Wir haben schon so manche Spitze des First Giganten erblickt, aber jetzt sind wir ihm ganz nah, dem Mount EVEREST.

Aber es soll noch besser werden. 

 

Unser Guide Aidan meint, mit der gegenüber untergehender Sonne soll der Blick auf den größten der 8000er sehr eindrucksvoll sein. 

Also los! 

Nach kurzer Pause nach der Passquerung geht’s auf zum Sonnenuntergangsspaziergang zum Kala Patthar auf 5600m. 

Vom am Fuße des Pumori gelegenen Aussichtsgipfel bestaunen wir die Farbspiele am Mount Everest. Den Nupse und Lothse im Vordergrund stehend, können wir auch die Aufstiegsroute der Bergsteiger vom Everest Base Camp zu Camp I sehen. 

Gigantisch steil und stark durchklüftet blicken wir auf den Khumbu Gletscher. Hier müssen alle Everest Gipfelstürmer durch. 

Nee, nie und nimmer für uns….

Jetzt mind. 10h -12h Schlaf, oder?

 

Der Sonnenaufgang bietet doch auch einen tollen Blick auf den Mount Everest. Wenn wir schon mal hier sind, muss das doch auch drin sein. 

Wir ließen uns am Abend noch ein Sandwich einpacken und heißen Kaffee in die Thermoskanne schütten und mit dem Wunsch am Base Camp zu frühstücken, zogen wir 4:30 Uhr los. Schon in der Lodge ist uns über Nacht das Sandwich gefroren und über das „gemütliche“ Frühstück mussten wir nur noch schmunzeln. 

Allein auf weiter Flur standen wir in eisiger Kälte auf der Endmoräne des Khumbu Gletschers mit der aufgehenden Sonne und einer Tasse fast kalten Kaffee in der Hand. 

Und das Grinsen reichte abermals von rechts nach links. Perfekt!!!

 

Es ging zurück zum offiziellen warmen Frühstück in die Lodge, dann wurden die Taschen aufgeschwungen und es ging nach Dzoglha weiter. 

Die heutige Herausforderung war die Passüberschreitung des Cho La mit 5360m. Dafür haben wir die großen Schuhe ausgepackt und Grödel aufgespannt. Die Steigeisen waren von der Agentur zwar gefordert aber in unserem Fall nur Ballast für den Porter. Auf Anraten des Guides haben wir in einer der Lodges Grödel gekauft. Auch Lachan, unser Porter, kämpfte sich mit all dem Gepäck über das Eis. Cola & Nüsse verputzten wir gemeinsam hoch oben an den Gebetsfahnen und klatschten uns begeistert ab.

 

Aber der Abstieg nach Dragnag auf 4700m wollte nicht enden und die schweren Schuhe liefen sich, über teils vereistem Blockgelände, sehr unangenehm. Die Bauchmuskeln waren gefordert und der Kalorienverbrauch stieg. Für meinen Bauch war das zu viel. Er stellte die Verdauungsarbeit ein und machte dies sehr deutlich mit schwallartigen nächtlichen Ergüssen über der Entsorgungsrinne. 

Noch grün im Gesicht erfuhren wir heute den Vorteil allein mit Guide unterwegs sein zu dürfen. Ich saß auf fast jeden größeren Brocken und atmete schwer. Wir überquerten den Ngozumba Glacier. Gefühlt endlos rauf und wieder runter, markiert durch Stangen oder Fähnchen, verlief der Weg durch den Gletscher nach Gokyo.

Gokyo ist Ziel für sanftes oder anspruchsvolles Trekking. Auf unserem Programm sollte eine Sonnenuntergangstour auf den Gokyo Ri mit Aussicht auf den Cho Oyu stehen, sowie der morgige 8h Trek über den Renjo Pass.

 

ABER, ich lag flach. Es war mir nicht mehr möglich einen Aufstiegsmeter zu erklimmen. Zähneknirschend, enttäuscht über mich, erkundigten wir uns welchen sanften Trek wir folgen könnten. Ich musste aus der Höhe raus. 

Die Entscheidung war getroffen und tatsächlich sind die sanfteren Wege auch schön 😉. Mein Körper war mit dem Abwärtstrend der Höhenmeter sehr zufrieden und es fiel eine Last von mir ab. Wieder grinsend, Späße treibend und mit der Kamera stets in der Hand marschierten wir Richtung Dhole. 

An diesem sanfteren Weg, in Kyangjuma, sollten wir 2 Tage nach der harten Erkenntnis nicht weiterlaufen zu können, die wohl schönste Lodge ever aufsuchen.

Die AMA DABLAM, der heilige Berg, das Matterhorn des Himalaya, erstrahlte im vollen Scheine des Mondes und am Morgen in der aufgehenden Sonne vom Schlafsack aus!!! Ich war geheilt, getröstet, und happy.    

Unglaublich SCHÖN!

Der Weg kreuzt die alt bekannte Route und führt nach Namche Bazar, Phakging und auf Lukla zu. 

Er trifft auf Chörten, Stupas und auf Malimauern. Er trifft auf uns entgegenkommende Touristen, welche sich die ersten Höhenmeter durch die Berge schnaufen und wieder führt der Weg über die Hillary Bidge.

In Lukla verabschieden sich unsere Begleiter mit einem traditionellem „Bier“. Tongba ist leicht alkoholisch. Dazu wird ein Hirsebrei nach der Fermentation mit warmem Wasser aufgegossen und fertig ist das Getränk 😉.

Von 22 Tagen vereinnahmten 4 Tage die An- und Abreise. 3 Tage waren geprägt von Gewimmel, Gewusel, Kultur, ner Rasur und einem 3 Stunden Schläfchen auf zwei Parkbänken in mitten der Stadt Kathmandu. Einen Tag verbrachten wir irgendwie im Irgendwo und 14 Tage liefen wir "bistari, bistari" ca. 178 km mit ca. 10900 Höhenmetern durch einen Teil des Himalayas. Davon trugen uns unsere Beine 8 Tage lang oberhalb der 5000m Marke.

Ja, ich gebe zu, dass der Körper Urlaub nach dem Urlaub benötigt hätte, aber die Seele & der Geist waren sehr zufrieden…

 

Doreen & Mario