© DAV Zwickau/Toni Gries

Zwischen Schwitzen und Frieren fährt die Kanonenbahn

Eine Radtour im Westen des Ostens und am Rande des Ost-Westens

30.07.2026

Der Jüngste sitzt im Zug nach Rügen, Ferienlager am "das ist gar kein richtiges Meer" und wir Starten Richtung Gotha. Es ist halb zehn das Auto misst 32° Grad. Wir haben den Hund mit Hänger im Kofferaum sitzen, die Fahrräder hinten drauf, Zelte, Schlafsäcke und Kocher, alles in den Taschen und nichts vergessen. Geplant sind 3 Tage Radtour und es verspricht warm zu werden...

Wir kommen gegen 12 Uhr in Waltershausen an, es sind 36° Grad und bis auf 39° Grad soll es noch steigen. Das Auto haben wir im Industriegebiet abgestellt, viele kostenfreie Parkplätze nur Schatten gibt es kaum. Also schnell abladen und losfahren, Fahrtwind erzeugen den ansonsten weht kein Lüftchen. 

Geplant sind gut 250 Kilometer in drei Tagen, heute müssen wir noch 80 Kilometer bis zum Zeltplatz zurücklegen, nichts wie los...

Wir kommen gut vorran, die Wärme lässt sich mit viel trinken ertragen, die doch flotte Geschwindigkeit lässt uns mit Gepäck aber ordentlich Schwitzen. Es geht erst entlang der Hölzel, bei der Wärme kommt uns ein kaltes Eis in Eisenach doch wie gerufen, auch wenn es nach einer Minute eher die Konsistenz eines Milchshakes hatte. Noch ein Brötchen beim Bäcker und die Wasserflaschen wieder vollgemacht und es kann weitergehen. Wir wechseln auf den Werratalradweg und überqueren die Landesgrenze.

Die Radwege sind sehr angenehm, gut in Schuss kein Verkehr jedoch meist in der Sonne auf freier Fläche. Als hätte man einen Föhn auf Stufe drei an den Lenker gebunden... Ein paar willkommene Walddurchfahrten machen die Fahrt angenehmer, in der Ferne bilden sich erste Wolken. Zu unserem Pech sind die kleinen Cafe's am wegesrand ausgerechnet heute geschlossen. Urlaub, Krankheit, Personalmangel... das übliche. Wir kommen jedoch gut vorran. 

Weit ist es nicht mehr bis zum Ziel als es vor uns dunkel wird, die Abkühlung ist willkommen ein Gewitter sitzen wir dann aber doch lieber an einer kleinen Hütte aus. 2 Minuten weiter wäre der Premiumradunterstand mit Radgarage und Werkzeug für Reperaturen gewesen, aber wer soll das ahnen. Eine halbe Stunde Später sind wir am Werratalsee im Werratal Natur Camp angekommen.

Der kleine Zeltplatz ist noch was man sich darunter vorstellt, eine Wiese, freie Platzwahl ein Schrank mit fünf Steckerleisten zum laden der Mobilgeräte und ein ausreichender Sanitärbereich, der auf das wesentliche reduziert ist. Wir suchen uns ein Plätzchen für die Zelte, der Platz ist gut Besucht, schnell Aufbauen und Abendessen kochen bevor der nächste Schauer kommt, danach werden wir mit einem wundervollen Sonneuntergang belohnt und es kühlt etwas ab, unter 30° ;-)

 

Die Hitze am ersten Tag hat doch sehr geschlaucht und auch heute sollen es bis zu 33° Grad werden, deshalb haben wir entschieden die geplanten 105 Kilometer zu kürzen.

So kommt es, dass wir die Tour verlegen, eine Runde um den Werratalsee nach Eschwege zum Frühstücken. Wir fahren langsam durch die Stadt und bestaunen die vielen Fachwerkhäuser, ein niedliches Cafe ist bald gefunden und alle sind bald satt und zufrieden. 

Wir machen uns auf den Weg nach Lengenfeld um auf die Eichsfelder Kanonenbahn zu kommen, der Weg ist abwechslungsreich die Temperaturen angenehm. in Lengenfeld könnte man auch eine Fahrrad-Tresine für die weitere Fortbewegung mieten.

Der Kanonenbahn-Radweg führt entlang einer alten militärischen Bahnlinie die von Berlin bis Metz führte, wir wollen nur über den Berg bis Dingelstätt um der Unstrutquelle einen Besuch abzustatten. Der Radweg steigt mit 1% gemütlich über 12 Kilometer vor sich hin und führt dabei durch 4 Tunnel, im mit 1500m längsten war es angenehm Kühl. Die Durchfahrten sind gut Beleuchtet, man fährt durch den Wald und es gibt mehrere Rastplätze. Auf der Anhöhe angekommen rollt man mit dem selben Gefälle wieder hinunter, hier durch viele Felder und offenes Land.

Die Unstrut-Quelle ist bei unserem Besuch eher unauffällig, es fehlt Wasser, die Anlage rund herum würde Platz für größere Veranstaltungen bieten. Heute sind wir jedoch mit einer Dame mit zwei badewilligen Hunden allein hier. Wir fahren weiter nach Mühlhausen, eine sehr sehenswerte Stadt mit vielen historischen Gebäuden, vieles was man sich noch einmal anschauen könnte. Am anderen Ende der Stadt liegt das Freibad, dieses kommt uns bei wieder gut über 30° Grad wie gerufen, noch dazu da nebenan gleich ein Campingplatz von der Stadt mitbetrieben wird. Dieser ist ordentlich, sauber und gut organisiert und für Gäste ist der Eintritt ins Bad frei. Also ein paar Bahnen schwimmen, Zelte aufbauen und nach dem Abendessen den lauen Abend ausklingen lassen. 

In der Nacht schlägt das Wetter um, eine Regenfront bahnt sich ihren Weg, es schauert immer wieder, in einer Regenpause bauen wir ab und machen uns auf den Weg, es ist kühl mit 16° Grad und von oben wieder nass. Wir entscheiden nochmal nach Mühlhausen hinein zu fahren und in Ruhe zu Frühstücken. 

Nach dem Frühstück ist der Regen größtenteils abgezogen und wir machen uns auf den Weg zu unserem Ausgangspunkt. Auf dem Weg nach Gotha kommt die Sonne wieder raus, wir packen die Jacken die Jacken ein und es ist angenehm warm. Selbst Zuma hat wieder Lust zu laufen.

Unterwegs fanden wir dann noch ein wundervolles, kleines Cafe in dem uns die Oma mit ihrer Enkelin bestens versorgt hat. Einen Knackwurstkuchen und eine Tasse Kaffee später ging es weiter. Wer die leckeren, selbstgebackenen Kuchen einmal probieren möchte sollte unbedingt in der Cafe Mühle Ballstädt vorbeischauen, von uns gibt es die wärmste Empfehlung. 

Ein paar Kilometer weiter waren wir dann schon in Gotha, noch ein leckeres Eis auf dem Stadtplatz, ein wenig Ausruhen und Menschen beobachten. Den Berg zum Schloss haben wir auch noch mitgenommen genauso wie die Fahrt durch den zugehörigen Park.

Durch Feld und Flur konnte Zuma noch ein ganzes Stück nebenher laufen und Mäuse fangen und kurz darauf waren wir am Auto.

Zurückgelegt haben wir in den drei Tagen am Ende 225 Kilometer und 1400Hm.

 

Viele Grüße von Familie Gries.